Wer schreibt die Regeln im KI-Zeitalter? OpenAI sagt: OpenAI
Besteuerte Roboter, ein Staatsfonds für alle und Arbeitnehmerrechte. Klingt nach Umverteilung. Kommt von OpenAI – einem Unternehmen, das gerade selbst zur grössten Machtkonzentration der Wirtschaftsgeschichte beiträgt.
OpenAI veröffentlichte ein dreizehnseitiges Grundsatzpapier. Nichts weniger als einen New Deal für das KI-Zeitalter, wie CEO Sam Altman es nannte. Die Diagnosen darin sind nicht falsch. KI-Gewinne konzentrieren sich bei wenigen Firmen. Die Steuerbasis, die Sozialversicherungen finanziert, erodiert, wenn Lohnarbeit wegfällt. Regierungen behandeln KI als technologisches Problem – dabei ist es eine strukturelle Wirtschaftstransformation. OpenAI schreibt das alles auf. Und nennt sich dabei selbst als Teil des Problems.
Strenge Kontrollen, so der Vorschlag, sollen nur für «eine kleine Anzahl hochfähiger Modelle» gelten. Alles darunter bleibt frei. Was klingt wie verhältnismässige Regulierung, ist in der Praxis ein Burggraben: Die einzigen Unternehmen, die unter die strengen Regeln fallen würden, sind OpenAI und ein paar Konkurrenten. Der Rest des Marktes – Startups, Open-Source-Projekte, kleinere Anbieter – bleibt verschont. Klingt fair. Ist es nicht: Wer die strengen Regeln erfüllen kann, signalisiert Seriosität. Wer sie nicht erfüllen muss, bleibt per Definition unseriös. Der Compliance-Apparat wird zum Qualitätsmerkmal, das nur die Grossen bezahlen können.
Eryk Salvaggio, Forscher an der Universität Cambridge, bringt es auf einen Begriff: «Policymercial» – Werbung in Gesetzesform.
Die Frage, die das Papier nicht stellt: Wer schreibt die Regeln des KI-Zeitalters – und wer sollte es tun? OpenAI hat eine Antwort. Die ist nur leider dieselbe auf beide Fragen.